Yannick Nézet-Séguin hat alle Herzen erobert

25.04.2024

Die Bildergalerie „5 mal 5“ der Kulturstiftung im Konzerthaus Dortmund wächst. Zurzeit malt Oliver Jordan einen Publikumsliebling.
Von Julia Gaß

Die meisten Opernfreunde werden 2008 ihren Fernseher eingeschaltet haben, um Rolando Villazon und Nino Machaidze bei den Salzburger Festspielen als Romeo und Juliette von Gounod zu sehen. Aber wer ist der Mann am Pult, der wie ein Flummi immer aus dem Orchestergraben in den unteren Bildrand hüpft? Den kannte kaum jemand, es war der damals 33 Jahre junge Kanadier Yannick Nézet-Séguin, der in Salzburg zum Weltstar wurde. Noch im selben Jahr machte ihn das Rotterdams Philharmonisch Orkest zu seinem Chefdirigenten, und der damalige Dortmunder Konzerthaus- Intendant Benedikt Stampa holte den Kanadier am 16. November 2008 mit dem Orchester aus den Niederlanden zum ersten Mal nach Dortmund. – Ein früher Coup des Intendanten. Und Yannick, wie ihn alle nannten, dirigierte sich mit Riesentemperament und Charisma in die Herzen des Publikums. Logisch, dass Benedikt Stampa ihn 2013 zum Residenzkünstler machte. Da war er für alle, die sich seinen Namen noch nicht merken konnten, „Mr. Y“ und wurde am 12. April 2013 nach seinem Konzert mit dem London Philharmonic mit einem Transparent über der Orgelempore vom Publikum jubelnd begrüßt.

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Fixpunkt in Europa

30 Mal war der Kanadier schon im Konzerthaus – mit einer legendären „Bruckner Experience“ und mit allen Top-Orchestern – den Wiener Philharmonikern ebenso wie den Berlinern. Auch das Abschiedskonzert von Benedikt Stampa hat Yannick Nézet- Séguin am 16. Juni 2018 dirigiert. Mit konzertanten Opernaufführungen und als Musikdirektor der Metropolitan Oper ist er zurückgekehrt – mit der „Frau ohne Schatten“ von Strauss 2020 und Wagners „Rheingold“ 2022. Und das war so überwältigend gut, dass Konzerthaus- Intendant Raphael von Hoensbroech den ganzen „Ring“ D von Nézet haben wollte. – Die Vorfreude auf die „Walküre“ am 1. Mai ist groß. „Das Konzerthaus Dortmund ist für mich mein europäischer Fixpunkt“, hat Yannick Nézet-Séguin schon vor Jahren gesagt. Und Ulrich Andreas Vogt, Gründungsintendant des Dortmunder Konzerthauses, hat auch schon vor Jahren gesagt: „Den Jungen muss Oliver Jordan malen“. Jetzt wird Vogts Wunsch erfüllt: Zur „Walküre“ wird Jordans Gemälde in der Passage zwischen Restaurant und Foyer hängen. Oliver Jordan hat den Dirigenten 2022 beim „Rheingold“ zum ersten Mal getroffen. Im November 2023 hat die Kulturstiftung zur Vorbereitung des Porträts beide Künstler in der Luxemburger Philharmonie zusammengebracht. Jordan hat Nézet-Séguin dort auch mit Taktstock in der Hand in Dirigierposen fotografiert; in seinem Kölner Atelier ist in den vergangenen Wochen das Ölgemälde aus vielen Schichten dicker Farbe entstanden. Damit ist Yannick Nézet-Séguin Teil des Projekts „5 mal 5“, in dem bis 2027, zum 25. Geburtstag des Konzerthauses, fünf neue Bilder von Oliver Jordan ihren Platz im Konzerthaus Dortmund finden. Der Kanadier, der 1975 in Montreal geboren wurde, hat das Dortmunder Publikum als Dirigent an jedem seiner 30 Abende mitgerissen, und er hat es als ein besonders vielseitiger Musiker begeistert. Nézet-Séguin hat in Québec Klavier, Dirigieren, Komposition und Kammermusik studiert, als 19-jähriger durfte er ein Jahr lang Carlo Maria Giulini bei Proben und Konzerten begleiten. Das habe seine künstlerische Entwicklung stark geprägt, sagte Nézet-Séguin später. Seine Laufbahn am Pult begann als Chordirektor in Montréal, 1995 gründete er in seiner Heimatstadt sein eigenes Ensemble.

Konzerthaus-Geschichte

Der charismatische Pultstar, der mit seiner Körpersprache und Mimik jedes Orchester mitreißt, hat alle großen Orchester dirigiert – seit 2012 leitet er auch das Philadelphia Orchestra, eins der „Big Five“-Orchester der USA. Und seit 2018 ist Yannick Nézet- Séguin Musikdirektor des berühmtesten Opernhauses der Welt, der Met in New York. Ehrenmitglied ist er auch vom Chamber Orchestra of Europe und London Philharmonic Orchestra. Und auch die Ehrendoktorwürde wurde dem Kanadier mehrfach verliehen. Dortmund ist stolz darauf, dass Yannick Nézet-Séguin als Exklusivkünstler von 2013 bis 2016 ein Stück Konzerthaus- Geschichte mitgeschrieben hat. Und diese Geschichte hängt ab 1. Mai in Öl gemalt in der Passage.

Foto CODDINGTON

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